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Eine historische Geschichte
Ein gutes Jahr wurde an diesem Stück in den Unterlagen der Gemeinde Bodenheim und Nackenheim recherchiert. Den Hintergrund unseres Bühnenstückes haben wir für Sie kurz zusammengefasst.

Die Revolution - ein kurzer Überblick:

Die Französische Revolution von 1789 bis 1799 gehört zu den folgenreichsten Ereignissen der neuzeitlichen europäischen Geschichte. Die Abschaffung des feudalabsolutistischen Ständestaats sowie die Propagierung und Umsetzung grundlegender Werte und Ideen der Aufklärung als Ziele der Französischen Revolution – das betrifft insbesondere die Menschenrechte – waren mitursächlich für tiefgreifende macht- und gesellschaftspolitische Veränderungen in ganz Europa und haben das moderne Demokratieverständnis entscheidend beeinflusst. Die heutige Französische Republik als liberal-demokratischer Verfassungsstaat westlicher Prägung stützt ihr Selbstverständnis unmittelbar auf die Errungenschaften der Französischen Revolution.

Die revolutionäre Umgestaltung und Nationwerdung der französischen Gesellschaft war ein Prozess, bei dem drei Phasen zu unterscheiden sind.Die erste Phase (1789–1791) stand im Zeichen des Kampfes für bürgerliche Freiheitsrechte und für die Schaffung einer konstitutionellen Monarchie.

Die zweite 1792–1794 führte angesichts der inneren wie äußeren gegenrevolutionären Bedrohung zur Errichtung einer Republik mit radikaldemokratischen Zügen und zur Ausbildung einer Revolutionsregierung, die mit Mitteln des Terrors und der Guillotine alle „Feinde der Revolution“ verfolgte.

In der dritten Phase, der Direktorialzeit von 1795 bis 1799, behauptete eine von besitzbürgerlichen Interessen bestimmte politische Führung die Macht nur mühsam gegen Volksinitiativen für soziale Gleichheit einerseits und gegen monarchistische Restaurationsbestrebungen andererseits.Ausschlaggebender Ordnungs- und Machtfaktor wurde in dieser Lage zunehmend das in den Revolutionskriegen entstandene Bürgerheer, dem Napoleon Bonaparte seinen Aufstieg und den Rückhalt bei der Verwirklichung seiner sich über Frankreich hinaus erstreckenden politischen Ambitionen verdankte.

Quellenverzeichnis: www.wikipedia.de

Die Rheingegend um 1792

Das Stück beginnt im Jahre 1792. In jener Zeit waren die Gemeinden in Rheinhessen noch unter adeliger oder kirchlicher Herrschaft, deren Territorien derart zersplittert waren, dass kaum zwei Nachbardörfer derselben Regierung unterstanden. Auf dem Gebiet des heutigen Rheinhessens, waren es mehr als 50 verschiedene Herrschaften. So erging es auch den beiden Dörfern Bodenheim und Nackenheim.

Bodenheim war im Besitz des Propstes zu St. Alban in Mainz und Nackenheim gehörte mit der Insel Sändchen und dem unteren Teil der Insel Kisselwörth dem Kurfürsten zu Mainz.
Regiert wurde oft mit zermalmender Tyrannei von weltlichen, wie geistlichen Despoten. Die Höfchen suchten in der Regel einander gegenseitig an Verschwendung und Üppigkeit zu überbieten und an Glanz mit den mächtigeren Regenten Europas zu wetteifern. Die arme, gedrückte Masse ahnte nicht, dass auch ihr, schon als Menschen, auch Rechte zustanden, sie wusste nur, dass sie dem Wirken ihres Herrn zu gehorchen und ihm zu dienen habe.
So war es auch einst mit rund 1200 Seelen in Bodenheim und 800 Seelen in Nackenheim.

Schlechte Erinnerungen

Fast 100 Jahre zuvor verwüsteten die Franzosen im deutsch-französischen Krieg die Gemeinde Bodenheim stark. Die Bodenheimer Walfahrtskapelle wurde geplündert und angesteckt. Die Tiere und Existenzgrundlage der bäuerlichen Bevölkerung wurden geschlachtet oder mitgenommen. Mit großer Angst stand man den erneuten Eroberungsplänen der Franzosen gegenüber.


Kirche und franz. Revolution

Die franz. Revolution war nicht Christenfeindlich, aber sie versuchten die Macht und Befugnisse des Klerus zu beschränken und damit eine Neuordnung der Weltgeistlichkeit zu schaffen. Am 12. Juli 1790 wurde die "Constitution civile du clergé" verabschiedet, die sich mit den kirchlichen Ämtern, der Ernennung zu den kirchlichen Ämtern, der Besoldung des Klerus und dem Gesetz der Ortsgebundenheit des Klerus befasste.

Nachdem am 27. November 1790 die Nationalversammlung von allen Priestern den Eid auf die Verfassung und somit auch auf die Zivilverfassung forderte, der Papst jedoch den Eid verbot, kam es zur Spaltung innerhalb der französischen Kirche in eine eidleistende und eine eidverweigernde Gruppe. Die daraufhin einsetzenden Verfolgungen der "clergé réfractaire" mündeten schließlich ab 1793 in der Entchristianisierung Frankreichs.

Die Mainzer Geistlichkeit fürchtete, dass ihnen ein ähliches Schicksal blühen könnte. So flüchtete der Mainzer Klerus über den Rhein, während der einfache Priester auf dem Land blieb. Ein Augenzeuge aus damaliger Zeit schreibt, dass der Rhein in jenen Tagen noch nie so stark befahren war als zu dieser Zeit

Erste Demokratie auf deutschem Boden

Der Rheinisch-Deutsche Nationalkonvent war das gesetzgebende Organ der kurzlebigen Mainzer Republik (1792/93) und das erste, nach demokratischen Prinzipien gewählte Parlament auf deutschem Boden.

 

Im Verlauf des 1. Koalitionskrieges eroberten französische Revolutionstruppen unter General Adam-Philippe de Custine, im Herbst 1792 weite Gebiete Deutschlands links des Rheins. In dem besetzten Gebiet, das etwa dem heutigen Rheinhessen und der Pfalz entspricht, ließ Custine auf Anordnung des Pariser Konvents am 24. Februar 1793 Wahlen zu einer gesetzgebenden Körperschaft abhalten, an denen sich die männliche Bevölkerung von etwa 130 Städten und Dörfern beteiligte, außer Bodenheim. Die Deputierten des frei gewählten Rheinisch-Deutschen Nationalkonvents traten erstmals am 17. März 1793 im Mainzer Deutschhaus zusammen, heute Sitz des Landtages von Rheinland-Pfalz. Am Tag darauf erklärten sie die von ihnen repräsentierten Gebiete zu einem unabhängigen Staat, der nach „auf Freiheit und Gleichheit gegründeten Gesetzen“ regiert werden sollte. Schon am 21. März beschlossen sie aber, beim Konvent in Paris die Eingliederung in den französische Staatsverband zu beantragen. Mittlerweile waren die Koalitionstruppen jedoch zum Gegenangriff übergegangen. Sie schlossen Mainz am 31. März ein und belagerten die Stadt bis zu ihrer Einnahme am 23. Juli 1793. Dies bedeutete das Ende der Mainzer Republik und des Nationalkonvents.

Schönborner Hof - Sitzgruppe Dollespark

Die Mainzer Republik - Vorgeschichte

Die Gründung der Mainzer Republik war eine Folge des Ersten Koalitionskrieges. Dieser war aus den wachsenden Spannungen zwischen dem revolutionären Frankreich und den für die Wiederherstellung der absoluten Monarchie eintretenden Koalition aus Preußen und Österreich entstanden. Zu Beginn der Französischen Revolution hatten sich die europäischen Mächte an den inneren Entwicklung Frankreichs zunächst desinteressiert gezeigt.

 

Dies änderte sich nach dem im Juni 1791 vereitelten Fluchtversuch König Ludwigs XVI. in das von royalistischen Truppen kontrollierte Grenzgebiet zur den Österreichischen Niederlanden. Auf die erzwungene Rückkehr des Königs nach Paris und seine zeitweilige Suspendierung reagierten Österreich, Preußen und einige kleinere deutsche Staaten am 27. August 1791 mit der Pillnitzer Deklaration, in der sie die Wiedereinsetzung Ludwigs XVI. in seine früheren Rechte verlangten[2]. Die Deklaration war im Wesentlichen auf das Betreiben des Grafen von Artois zustande gekommen, eines Bruders Ludwigs XVI. und Führers der gegenrevolutionären französischen Emigranten. Die Deklaration schloss ein militärisches Eingreifen in Frankreich nicht aus, auch wenn sie es von wenig wahrscheinlichen Voraussetzungen abhängig machte. Daher wurde sie in Paris als Kriegsdrohung aufgefasst und trug dort zur Radikalisierung der Lage bei. In der Nationalversammlung bildetet sich nun eine Mehrheit von Kriegsbefürwortern. Diese fand sogar die Unterstützung des Königs, der auf eine Niederlage des eigenen Landes und damit der Revolution hoffte.

Am 20. April 1792 erklärte Ludwig XVI. im Namen Frankreichs Franz II. den Krieg - allerdings nicht in dessen Eigenschaft als Römisch-Deutscher Kaiser sondern als König von Ungarn und Böhmen. In Frankreich hoffte man, damit den Krieg auf eine Auseinandersetzung mit dem Haus Habsburg beschränken zu können. Aufgrund eines Bündnisvertrags mit Österreich trat aber auch Preußen in den Krieg ein. Ein erster französischer Vorstoß in die Österreichischen Niederlande wurde zurückgeschlagen. Die Hauptarmee der Koalition unter Führung des Herzogs von Braunschweig drang im Sommer über Luxemburg nach Frankreich ein und bedrohte Paris. Die Franzosen brachten diesen Vormarsch am 20. September 1792 in der Kanonade von Valmy zum Stehen und gingen wieder zum Gegenangriff über. Unter General Custine drangen sie Ende September vom damals französischen Landau aus in die Pfalz und ins Rheinland vor, eroberten Speyer und Worms und besetzten am 21. Oktober 1792 Mainz. Damit war die Stadt erstmals seit der französischen Besetzung im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1688 wieder Schauplatz kriegerischer Handlungen geworden. Kurfürst Friedrich Karl Joseph von Erthal war bereits vorher aus der Hauptstadt des Kurstaats geflohen.

Die deutschen Jakobiener

Unter dem Namen „Gesellschaft der Freunde der Freiheit und Gleichheit“ gründeten 20 Bürger der Stadt schon am Tag nach deren Besetzung den Mainzer Jakobinerklub. Wie seine späteren Ableger in Speyer und Worms trat er im Sinne der Aufklärung für die Ideale der Französischen Revolution von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit ein sowie für die Errichtung einer deutschen Republik.

Zu seinen Gründern gehörten der Arzt Georg von Wedekind, der Philosoph Andreas Joseph Hofmann, der Theologe und Kirchenrechtler Georg Wilhelm Böhmer[3], weitere Professoren und Studenten der Universität, aber auch einige Kaufleute. Nach anfänglichem Bedenken trat ihm am 5. November auch der Universitätsbibliothekar und Naturforscher Georg Forster bei[4]. Der Club zählte schließlich 492 registrierte Mitglieder. Sein Präsident war zeitweilig Friedrich Georg Pape, ein ehemaliger Prämonstratenser-Chorherr und Herausgeber der Mainzer Nationalzeitung. In einem offenen Schreiben vom 20. Dezember 1792 griff er „Friedrich Wilhelm Hohenzollern, dermalen König in Preußen“ scharf an und unterzeichnete mit „Dein und aller Könige Feind“. Sein provokantes Vorgehen wurde auch von der Führung der Republik kritisiert, da sie eine militärische Reaktion Preußens fürchtete.

Custine versuchte die eroberten Gebiete zunächst mit Hilfe der alten kurmainzischen Verwaltung zu regieren, setzte aber bald revolutionsfreundliche Verwaltungen (Munizipalitäten) in den Städten Mainz, Speyer, Worms und Bingen sowie eine Allgemeine Administration für das gesamte Besatzungsgebiet ein. Dabei stützte er sich auf die deutschen Jakobiner, die in Städten und Dörfern nun massiv für die Ideen der französischen Revolution und für die Errichtung einer Republik warben – mit Flugschriften, Plakaten, Proklamationen, aber auch mit demonstrativen Propagandaaktionen, wie der Errichtung von Freiheitsbäumen. Mitte Dezember 1792 ergab eine Umfrage, dass in 29 von 40 befragten Gemeinden die Mehrheit der Wahlberechtigten (Männer ab 21 Jahren) eine Umgestaltung der Staatsordnung nach französischem Vorbild befürworteten.[

Die Gründung der Republik

Bis zu diesem Zeitpunkt waren alle Entscheidungen der Bevölkerung im Besatzungsgebiet ohne äußeren Druck erfolgt. Dies änderte sich um die Jahreswende 1792/93. Aufgrund der Erfahrungen in den ebenfalls eroberten Gebieten der Österreichischen Niederlande, deren Bevölkerung wenig Bereitschaft zur Revolution zeigte, hatte der Konvent in Paris am 15. Dezember beschlossen, demokratische Ordnungen in den besetzten Territorien notfalls auch gegen den Willen der Bevölkerung zu etablieren.

In Mainz erschienen daher Anfang 1793 Kommissare des Konvents. Sie sollten zusammen mit den deutschen Jakobinern die Wahlen zu den Munizipalitäten und zu einer verfassunggebenden Versammlung vorbereiten, forderten von allen Wählern aber bereits im Voraus, einen Eid auf die Grundsätze der Revolution zu leisten. Dieser Eid wurde in vielen Orten verweigert, und es kam gelegentlich sogar zu Repressionen der Jakobiner gegen die Bevölkerung. Die Wahlen zum Rheinisch-Deutschen Nationalkonvent am 24. Februar 1793 verliefen, an den Maßstäben der Zeit gemessen, dennoch halbwegs demokratisch. 130 Städte und Dörfer aus den Gebieten links des Rheins und südlich der Nahe sandten ihre Abgeordneten nach Mainz.

Der Rheinisch-Deutsche Nationalkonvent tagte im Mainzer Deutschhaus, heute Sitz des Landtages von Rheinland-Pfalz.

Das erste auf demokratischem Wege zustande gekommene Parlament der deutschen Geschichte trat am 17. März 1793 im Mainzer Deutschhaus (heute Sitz des Landtages von Rheinland-Pfalz) zusammen.

Das Ende der Republik

Den Delegierten war bewusst, dass die Mainzer Republik auf sich allein gestellt nicht lebensfähig war. Daher beschlossen sie schon am 23. März, beim Konvent in Paris die Angliederung an Frankreich zu beantragen. Der Delegation, die zu diesem Zweck in die französische Hauptstadt entsandt wurde, gehörten Georg Forster, Adam Lux und der Kaufmann Andreas Patocki an. Am 30. März nahm der Konvent den Antrag der Mainzer Deputierten einstimmig an. Praktische Auswirkungen hatte dieser Beschluss jedoch nicht mehr. Denn mittlerweile waren preußische Truppen auf das Gebiet des Freistaats vorgedrungen und hatten mit der Belagerung von Mainz begonnen. In den vier Monaten bis zur Kapitulation am 23. Juli beschränkte sich das Gebiet der Mainzer Republik also allein auf die Stadt.

Nach dem Abzug der Franzosen und der Besetzung durch preußische Truppen kam es zur Verfolgung der deutschen Jakobiner und ihrer Angehörigen, sofern sie nicht geflohen waren. Sie wurden misshandelt und eingekerkert, wie beispielsweise Felix Anton Blau und Friedrich Georg Pape; ihr Eigentum wurde beschlagnahmt. Die so genannte Klubistenverfolgung endete erst 1795, als die französischen Revolutionstruppen erneut zum Rhein vorstießen und das gesamte linksrheinische Gebiet für 20 Jahre Frankreich angegliedert wurde.

Quellenverzeichnis: www.wikipedia.de


Personen - Wer war...

Ernst August Göchhausen

Über den Schriftsteller und Sächs.-Weimar. Geheimrat ist uns leider nicht so viel bekannt. Er wurde 1740 geboren und verstarb 1824. Zu seinen bekanntesten Werken gehören die Bücher "Enthüllung des Systems der Weltbürger-Republik" und "Freymaurerische Wanderungen des weisen Junkers Don Quixote von Mancha und des großen Schildknappen Herrn Sancho Pansa".

In Göchhausens Werk "Meine Wanderung durch die Rhein- und Mayngegenden und die Preußischen Kantonnirungsquatiere im Februar 1794; nebst Nachrichten über die Maynzer Klubbisten und über den in die Preußische Kriegsgefangenschaft nach Magdeburg gebrachten peuple souverain." geht hervor, dass Göchhausen im Februar 1794 für einige Tage in Nackenheim weilte und berichtet aus dortiger Sicht über die Person des Pfarrers Arand folgendes:

"Ich sah des Mannes Bibliothek in der Pfarrei zu Nackeenheim; sie ist ausgesuchter, als ich erwartete; bestehet freilich meist aus Aufklärungsschrifte, tollen und vernünftigen, je nachdem die Veerfasser selbst Begriffe und Aufklärung mitbrachten. Ich hörte vieles von seinm guten Charakter, von der Treue, mit der er sein Amte obgelegen hatte, ehe es den Klubbisten gelang, ihn bei seiner Schwachhheit, - der zu hohen Meinung von sich selbst, der Erbsünde aller, die sich für aufgeklärter halten aals andere ehrliche Leute, - zu packen und ihm die sehr natürliche Grille lebendig zu machen, daß, nach aufgekündigtem Gehorsam gegen Papst und Erzbischof, ein Dorfpfarrer nun an ihre Stelle treten könne. Wen von allen Dorfpfarrern konnte er in seiner Überzeugung dazu würdiger finden als - sich selbst, wenn es nur darauf ankam, zu wollen? Und dies war der Fall! Die schlauen Klubbisten wußten, daß er wegen seines Maßes von Aufklärung und Selbstliebe das leicht zu fangendste Subjekt zu ihren Absichten sei; zogen ihm violette Strümpfe an, und er ward Erzbischof in petto, der arme Träumer; zum Beweis, daß halbe Aufklärung an ganze Unaufklärung sehr nahe grenze..."

Quellennachweis:
Nackenheimer Heimatkundliche Schriftreihe, Heft 14, Die Nackenheimer Revolution von 1792/93 - Mit einem Lebensbild des Pfarrers Karl Melchior Arand von Dr. Helmut Mathy, Herausgegeben vom Heimat- und Verkehrsverein e. V. Nackenheim am Rhein, 1967

Geheimrat Johann Wolfgang von Goethe

(* 28. August 1749 in Frankfurt am Main; † 22. März 1832 in Weimar), geadelt 1782, war ein deutscher Dichter. Er forschte und publizierte außerdem auf verschiedenen naturwissenschaftlichen Gebieten. Ab 1776 bekleidete er am Hof von Weimar unterschiedliche politische und administrative Ämter.

Goethes literarische Produktion umfasst Gedichte, Dramen, erzählende Werke (in Vers und Prosa), autobiografische, ästhetische, kunst- und literaturtheoretische sowie naturwissenschaftliche Schriften. Auch sein umfangreicher Briefwechsel ist von großer literarischer Bedeutung. Goethe war ein Vorreiter und der wichtigste Vertreter des Sturm und Drang. Sein Roman Die Leiden des jungen Werthers machte ihn 1774 in ganz Europa berühmt. Später wandte er sich inhaltlich und formal den Idealen der Antike zu und wurde ab den 1790er Jahren, gemeinsam mit Friedrich Schiller und im Austausch mit diesem, zum wichtigsten Vertreter der Weimarer Klassik. Im Alter galt Goethe auch im Ausland als Repräsentant des geistigen Deutschland.

Am 26. Mai 1793 kam Goethe, der sich im Gefolge des Herzogs Karl August von Weimar befand, nach Bodenheim, worüber er in sein Tagebuch schrieb:

"Montag, den 26. Mai 1793 von Frankfurt nach Höchst und Flörsheim, hier stand viel Belagerungsgeschütz. Der alte freie Weg nach Mainz war gesprerrt, ich musste über die Schiffsbrücke bei Rüsselsheim; in Ginsheim wird gefüttert, der Ort ist sehr zerschossen, dann über die Schiffsbrücke auf die Nonnenaue, wo viele Bäume niedergehauen lagen, sofort auf den zweiteen Teil der Schiffsbrücke über den größeren Arm des Rheins. Ferner auf Bodenheim und Oberolm, wo ich mich kantonierungsmäßig einrichtete und sogleich mit Hauptmann Vent nach dem rechten Flügel ritt und die Lage von Mainz besah."

Das Hauptquatier des Königs Friedrich Wilhelm II. von Preußen, dass sich vorher in Guntersblum befand, wurde im Mai 1793 nach Bodenheim in das ehem. raf Schönborn'sche Haus verlegt, wodurch hier ein reges Leben entstand indem die am Kriege teilnehmenden Fürstlichkeiten am Königl. Hofe Besuche abstatteten. Im Gefolge des Königs befand sich auch der preuß. Kronprinz (der spätere König Friedrich Wilhelm III, Vater Kaiser Wilhelm I.), welcher seit 24. April 1793 mit der Prinzessin Louise von Mecklenburg-Strelitz verlobt war. Ende Mai erschien die Prinzessin-Braut in Begleitung ihrer Schwester der Prinzessin Friederike, im königlichen Hauptquartier in Bodenheim zu Besuch und unternahm von hier aus am 29. Mai 1793 eine Besichtigung des Lagers bei Marienborn, worüber Goethe nachstehendes in sein Tagebuch schrieb:

Donnerstag, 29. Mai 1793
"Gegen Abend war uns, mir aber besonders, ein liebenswürdiges Schauspiel bereitet. Die Prinzessinen von Mecklenburg hatten im Hauptquatier zu Bodenheim bei Ihro Majestät dem Könige gespeist und besuchten nach Tafel das Lager. Ich heftelte mich in mein Zelt ein und so durfte ich die hohen Herrschaften, welche unmittelbar davor ganz vertraulich auf und niedergingen, auf das genaueste beobachten. Und wirklich konnte man in diesem Kriegsgetümmel die beiden jungen Damen hür himmlische Erscheinungen halten, deren Eindruck mir niemehr erlöschen wird.

Quellennachweis:
- http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Wolfgang_von_Goethe
- 1200 Jahre Bodenheimer Ortsgeschichte von Reg. Oberbauinspektor a. D. und Geometer Karl Winhart, Bodenheim am Rhein, Selbstverlag 1955

General Adam Custine

Custine geb. 04.02.1740 in Metz stammte aus einem alten Adelsgeschlecht. Er zeichnete sich im Siebenjährigen Krieg so aus, dass ihm der Minister Choiseul ein eigenes Dragonerregiment verlieh, das er aber mit dem Infanterieregiment Saintonge, das zur Einschiffung nach Amerika bestimmt war, vertauschte. In Amerika tat er sich besonders bei der Belagerung von Yorktown hervor.

Nach Frankreich zurückgekehrt, wurde er zum Maréchal de camp (Generalmajor) und Gouverneur von Toulon ernannt, trat als Abgeordneter des lothringischen Adels 1789 in die Nationalversammlung ein und stellte sich hier entschieden auf die Seite der liberalen Partei. Custine vertrat die Auffassung, dass es für Frankreich notwendig sei, das linke Rheinufer zu erobern mit dem Rhein als „natürliche Grenze“ Frankreichs. 1791 wurde er zum Generalleutnant befördert und erhielt 1792 ein Kommando am Oberrhein unter Marschall Luckner. Er eroberte Landau und nahm die Linien von Weißenburg, dann Speyer, Worms, Mainz und Frankfurt.

Am 17./18. Oktober 1792 kam ie französische Armee unter General Custine mit den Untergeneralen Neuvinger und Houchard auf ihrem Zug von Speyer nach Mainz in Bodenheim an. Dort zog er vor der Belagerung von Mainz Quatier im Schönborner Hof. Custine war der Auffassung, dass das Selbstbestimmungsrecht der Völker gewahrt bleiben solle und selbst der Wunsch der Einwohneschaft nach weiterem Verbleib als Untertanen unter ihrem alten unter ihrem alten Herrscher akzeptiert werden. Custine ließ diese Absichten per Proklamation verkünden. Das sich tatsächlich di Bevölkerung aus ihrer alten "Sklaverei" nicht befreien lassen wollte, war zu dieser Zeit noch außerhalb der Vorsttellung des Revolutionsgenerals.

Kurze Zeit später wurde der General von den Preußen und Hessen am 2. Dezember 1792 bei Frankfurt geschlagen. Nach mehreren unglücklichen Gefechten, vor allem am 6. Januar 1793 bei Hochheim, setzte er die Festung Mainz in Verteidigungsstand, wurde aber im Frühling von den Preußen zwischen Bingen und Bad Kreuznach angegriffen und wich nach schwachem Widerstand. Nach einem zweiten Gefecht bei Alzey räumte er die von ihm besetzte Gegend und zog sich am 31. März nach Landau zurück.

Mit dem Oberbefehl über die Nord- und Ardennenarmee betraut, unternahm er am 17. Mai einen Angriff mit der Rheinarmee an der Queich, musste sich aber mit großem Verlust zurückziehen. Auf die Anschuldigung Marats und Billaud-Varennes' wurde Custine vor den Wohlfahrtsausschuss nach Paris geladen und in der Anklageakte vom 14. August 1793 beschuldigt, vorsätzlich die Würde eines Generals der Armeen missbraucht, das Interesse der Republik verraten und Einverständnisse mit den Feinden Frankreichs unterhalten zu haben. Trotz seiner geschickten Verteidigung wurde er am 27. August 1793 zum Tode verurteilt und am folgenden Tag hingerichtet.

Quellennachweis:
- http://de.wikipedia.org/wiki/Adam-Philippe_de_Custine
- Geschichte Bodenheims in der französischen Zeit 1792-1814 von Gunter Mahlerwein, 1250 Jahre Albansgemeinde Bodenheim -Beiträge zur Vergangenheit und Gegenwart - Im Auftrag der Ortsgemeinde Bodenheim, herausgegeben von Bernhard Marschall, Verlag der rheinhessischen Druckwerkstätte Alzey

Kommissare Ritz und Müller

In Bodenheim war man bekanntlich den Werbungen der französischen und deutschen Revolutionäre gegenüber reserviert geblieben. Bei der Dezemberabstimmung zum Eid auf die französische Verfassung erbaten sich die Bodenheimer 24 Stunden Bedenkzeit, um dann den Kommissaren Ritz und Müller mitzuteilen, sie seien für die alte Verfassung, "weil sie nicht mit Abgaben überhäuft noch auf eine andere Art bedrückt gewesen seien." Auch bei der Wahl eines Delegierten zum Nationalkonvent verweigerten sich die Bodenheimer. Bereits 1793 sollen Aufrufe in Bodenheim aufgetaucht sein, in denen zum Festhalten am alten System aufgefordert wurde. Wie die Revolutionäre, so versuchten auch ihre Gegner die Landbevölkerung mit Flugblättern politisch zu beeinflussen.

Für das gegenrevolutionäre Verhalten der Gemeinde Bodenheim machten die Kommissare den Pfarrer und sein Kaplan aus. Die Kommissare hatten im Auftrag der Franzosen die Delegiertenwahl für den Mainzer Nationalkonvent durchführen sollen. Am 18. Februar 1793 erschienen sie in Bodenheim, verlangten die Eidesleistung auf die Verfassung, drohten mit Einquatierungen und verhängten Hausarrest über den Pfarrer und den Kaplan, die sie als "Verschwörer" gegen die Revolutionierung ansahen. Auf Bitten der Gemeinde beim französischen Kommandanten kamen Pfarrer und Kaplan zwar wieder frei, dennoch beugten sich die Bodenheimer den immer heftigeren Drohungen nicht und wählten weder einen Ortsvorstand, noch einen Delegieten.

Als die Zivilverwaltung am 27. März 1793 androhte, dass wenn kein Delegierter gewählt werden würde, jeder Gerichtsmann täglich fünf Gulden und jeder Bürger einen Gulden Strafe zahlen müsse, hatte sich das Kriegsglück wieder zugunsten der Preußen gewendet und stand Bodenheim kurz vor der Übernahme durch preußische Truppen.

Quellennnachweis:
- Geschichte Bodenheims in der französischen Zeit 1792-1814 von Gunter Mahlerwein, 1250 Jahre Albansgemeinde Bodenheim -Beiträge zur Vergangenheit und Gegenwart - Im Auftrag der Ortsgemeinde Bodenheim, herausgegeben von Bernhard Marschall, Verlag der rheinhessischen Druckwerkstätte Alzey


König Friedrich Wilhelm der II.

Friedrich Wilhelm II. (* 25. September 1744 in Berlin; † 16. November 1797 in Potsdam) entstammt dem Adelshaus der Hohenzollern und war ab 1786 König von Preußen und Markgraf von Brandenburg, Erzkämmerer und Kurfürst des Heiligen Römischen Reiches. Er war ein Lebemann, grundverschieden von seinem Onkel Friedrich II., und setzte das Werk seines viel bekannteren Vorgängers nicht fort. Er wurde im Volk häufig Der dicke Lüderjahn (Taugenichts) genannt.

Der König von Preußen erschien am 31. März 1793 in Oppenheim und bezog sodann mit seinem Gefolge in Guntersblum Hauptquatier. Am 15. Apriil 1793 rückten die Deutschen zur Einschließung von Mainz heran. Der Anmarsch der Truppen vollzog sich zum Teil von Bodenheim aus. Auf der Höhe zwischen Bodenheim und Laubenheim, dem Rettberg und etwas nördlich lagen kaiserliche Truppen. Das Hauptquatier der Belagerungsarmee war in Marienborn und unterstand dem kais. General v. Kalkreuth.

Das Hauptquatier des Königs Friedrich Wilhelm II. von Preußen, das sicch vorher in Guntersblum befand wurde im Mai 1793 nach Bodenheim in den Schönborner Hof verlegt. Kam es in anderen Dörfern zu Verfolgungen der aktiven "Landjakobiner" durch die wieder handlungsfähige alte Lanndesherrschaft, so wurde die Gemeinde Bodenheim zusammen mit Hechtsheim von der Kurmainzer Regierung für ihre "Anhänglichkeit" ausdrücklich gelobt.

Eine mündlich überlieferte Legende besagt, dass der König ein Liebesverhältnis mit einer Bodenheimerin gehabt haben soll, aus der ein Kind entstanden sein soll, deren Nachkommen immer noch in Bodenheim leben würden. Naja, Zeit genug hatten sie dazu….

Quellennachweis:
- http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Wilhelm_II._(Preu%C3%9Fen)
- Geschichte Bodenheims in der französischen Zeit 1792-1814 von Gunter Mahlerwein, 1250 Jahre Albansgemeinde Bodenheim -Beiträge zur Vergangenheit und Gegenwart - Im Auftrag der Ortsgemeinde Bodenheim, herausgegeben von Bernhard Marschall, Verlag der rheinhessischen Druckwerkstätte Alzey
- 1200 Jahre Bodenheimer Ortsgeschichte von Reg. Oberbauinspektor a. D. und Geometer Karl Winhart, Bodenheim am Rhein, Selbstverlag 1955



Pfarrer Karl Melchior Arand

Arand ist am 02. Juni 1754 im kurmainzischen Ort Heiligenstadt im Eichsfeld als Sohn von Gottfried Arand und dessen Ehefrau Anna Maria geboren, wo er auch das Jesuitenkollegium besucht haben durfte. Im Jahre 1775 studierte Arand auch in Mainz. Im gleichen Jahr befand sich der dreiundzwanzigjährige Thelologe in den Ferien in Wien. Im altehrwürdigen Stephansdom empfing er einige niedere Weihen - wir dürfen annehmen aus der Hand des Kardinals Christoph Anton Graf von Migazzi.

In Wien war es Arand nach eigener Aussage auch öfter vergönnt, die Kaiserin Maria Theresia in ihrer ganzen barocken Prachtentfaltung, aber auch als Verkörperung der in ihrer natürlich-derben Frömmigkeit zu erlben.

Nicht lange Zeit nach seiner Rückkehr aus der Kaiserstadt dürfte der junge Alumnus zum Priester geweiht worden sein. Er wurde Kaplan nach Kella, unweit seiner Vaterstadt gelegen, eingewiesen und am 26. September 1781 an der theologischen Fakultät der Universität Erfurt zum baccalaureus biblicus et formatus promoviert. Knapp ein Jahr später am 03. September 1873, ernannte ihn die gleiche Fakultät mit großem Beifall für seine Leistungen zum Doktor der Theologie und nahm ihn als Assesor in ihre Reihen auf.

Wieder ein Jahr danach können wir Arand als Kaplan in Niedersaulheim im späteren Rheinhessen fassen. Gleichzeitig hatte er einen Lehrstuhl für Dogmatik an der Mainzer Universität. Kurze Zeit später ist Arand Pfarrer von Amorbach, eine Stelle, die er nach Niederlegung seiner Professur in Mainz angenommen hatte. Weshalb er seinen Lehrstuhl an der Universität eigentlich aufgab, kann nicht genau ausgemacht werden. Er war jedenfalls nie endgültig als ordentlicher Professor installiert worden.

Nach zweijährigem Wirken in Amorbach stimmte er dem Vorschlag des Generalvikariats zu, mit dem Pfarrer von Nackenheim, der angeblich mit seiner Gemeinde in Unfrieden lebte, die Stelle zu tauschen. Dieser Schritt sollte seinem Leben eine andere Richtung geben, ja ihm zum persönlichen Verhängnis werden. In einem Schreiben des Oberschultheißen Kirchner vom 23. Februar 1781 an das kurfürstliche Vizedomamt bescheibt dieser die Gemeinde Nackenheim so: "es gebe in dem Ort gar zu viele Arme und unvermögende eute, auch "Wittweiber", also Bewohner, die nicht das ganze Jahr hindurch in Verdienst stünden.

Arand war wohl bis zum Ende der Mainzer Republik zweifellos kein besonders eifriger Deputierter in dem im Deutschhaus zu Mainz zusammengetretenen Nationalkonvent. Der Nationalpfarrer kam aber bald zu höheren Ehren: er wurde von der französischen Administration als Regens des geistlichen Seminars in Mainz ernannt. Arand hat über diesen Lebensabschnitt im Seminar später angegeben, er habe dessen Leitung übernommen, um größeres Unheil abzuwenden. In anderen zeitgenössischen Quellen dagegen wird über Arands Tätigkeit im Priesterseminar sehr viel weniger positiv geurteilt. So heißt es in einem Zeitungsbericht aus Mainz vom 10. März 1793: "Der Pfarrer von Nackenheim ist gegenwärtig Regent des Seminariums: liest er die Messe, so laufen die Leute, die ihn kennen, davon; geht er über die Straße, so ist er ein Gespött aller derer, die auf wahre Religion halten. Zweifellos aber war Arand in dieser Zeit, wo er auch die Pfarrei St. Christoph verwaltete und als Erzbischof in petto galt, einer der bedeutendsten Geistlichen in Mainz.

So ist es nicht verwunderlich, dass er nach der geglückten Belagerung und Einnahme der Festung beim Einzug der deutschen Truppen in die Hände der Sieger fiel. In Bodenheim trotz angelegter Verkleidung von einem Pfarrkinde ertappt und dem Militär angezeigt wurde er die von den Preußen kurz zuvor eroberten Festung Königstein in Haft gebracht.

In der Folge berichtet Göchhausen von einem Schriftstück, das er "irgendwo jenseits des Rheins an einem heimlichen Orte" gefunden hat und das eine eigenhändige Rechtfertigung Arands, datiert Königstein den 24. Februar 1794, an das Generalvikariat enthält. Arand beschreibt die Gemeindesituation nach dem Einmarsch der Franzosen in Nackenheim wie folgt:

"...Ich sagte zu meinen Pfarrkindern am 24. Februar 1792, ich wolle mich mit ihrer Genehmigung über den Rhein transpotieren lassen. Bei dem unbeschreiblichen Jammer meiner Pfarrkinder über diese Äußerung und bei der Bitte, ich möchte und sollte bei ihnen bleiben, entschloß ich mich, zu Verhütung größerer, physisch- und moralischer Übel zu Gelobung der Selbsterhaltungspflicht und zu besonderen Vorteilen für unseren gnädigsten Landesfürsten, den Schein der Anhänglichkeit an die aufgedrungene Eidesformel anzunehmen." so sollte der Kurfürst nach der französischen Belagerung "Nackenheims Bewohner noch in gutem unverrückten Zustande antreffen".

Über die Ankunft General Custine in Nackenheim schreibt die Mainzer Nationalzeitung vom 08. November folgendes: "Freudentränen zitterten in unseren Augen und in den Augen unserer Kinder, als wir Brüder und Freunde genannt...

Über die Proklamation Custines und die pflanzung des Freiheitsbaumes - dem Schreckgespenst aller Despoten schreibt Arand selbst einen Brief an das Mainzer Nationalkonvent in der er die Szenerie beschreibt: "Nach 7 Uhr ließ ich sämtliche Pfarrbürger in den Pfarrhof berufen und nach hingelegten Gründen und beantworteten Einwürfen fragte ich sie, ob sie meine Person als Pfarrer beizubehalten wünschten. Auf die Herzens-ja-antwort erwiderte ich, dass diese Beibehaltung sich ohne Ablegung des Eides nicht denken lasse." Und nach der Eidableistung schreibt Arand: "Zufriedenheitstränen zitterten in den Augen meiner Pfarrbürger."

Auf der Festung zu Köngstein schrieb Arand mehr als 50 Rechtfertigungsbriefe und wurde von einer eingesetzten Kommission zur "Untersuchung der Klubbisten-Teufeleyen" verhört. Die Briefe und Verhörprotokolle wurden aber "ad acta" verwiesen und festgehalten "Arand, Pfarrer von Nackenheim, wollte uns begreiflich machen, dass er alles aus Pastoralklugheit getan habe; er gebärdete sich übrigens wie ein Tropf, der er allzeit gewesen war."

Trotz verschiedener Versuchee zu einer Haftentlassung Arands - u. a. eine Eingabe seiner ehemaligen Pfarrgemeinde Amorbach - blieb dieser zunächst in einer elenden Lage. Jeder Kontakt mit Nackenheim war ihm verweigert, und erst im Sommer 1794 erhielt er von Königsteiner Dechanten die geistliche Absolutionn. Trotzdem sollten noch über zehn Jahre vergehen, bis er wieder einigermaßen zu leben anfangen konnte Am 23. Dezember 1805 wude Arand zum Pfarrer der ehemaligen kurmainzischen Amtsstadt Naumburg ernannt. Dort lebte er bis zu seinem Tod am 09. November 1823. Über die Zeit in Naumburg schweigen die Akten.

Offenbar hat er sich in diesen letzten 18 Jahreen seines Lebens die das Gesicht seiner Heimat, das Gesicht Deutschlands und Europas verändert hatten, als gebranntes Kind der Nackenheimer Revolution jedweder politischen Äußerung und Handlung enthalten.


Pfarrer Kaspar Hornung & Kaplan Kaspar Kehrein

Häufig waren zentrale Figuren der Dorfgesellschaft, Pfarrer, Lehrer oder Amtsträger, für die politsiche Simmung im Dorf ausschlaggebend. Während in Nackenheim der revolutionär gesinnte Pfarrer Arand wenigstens einen Teil der Gemeinde hinter sich versammeln konnte, so war in Bodenheim der gegenrevolutionäre Einfluss des Pfarrers Kasper Hornung und des Kaplans Kasper Kehrein von Bedeutung für das Verhalten der Gemeinde.

So scheint es zumindes den Kommisssaren dargestellt zu haben, die im Auftrag der Franzosen die Delegiertenwahl durchführen sollten. Am 18. Februar 1793 erschienen sie in Bodenheim, verlangten die Eidesleistung auf die Verfassung, drohten mit Einquatierung und verhängten Hausarrest über den Pfarrer und den Kaplan, die sie als "Verschwörer" gegen die Revolutionierung ansahen. Auch die Androhung, dass wenn kein Delegierter gewählt werden würdem jeder Gerichtsmann täglich fünf Gulden und jeder Bürger einen Gulden Strafe zahlen müsse, hatte sich das Kriegsglück wieder zugunsten der Preußen gewendet.

Bei der Dezemberabstimmung 1792 erbaten sich die Bodenheimer 24 Stunden Bedenkzeit, um dann den Kommissaren Ritz und Müller mitzuteilen, sie seien für die alte Verfassung, "weil sie nicht mit Abgaben überhäuft noch auf eine andere Art bedrückt gewesen seien. Bereits Anfang 1793 sollen Aufrufe in Bodenheim aufgetaucht sein, in denen zum Festhalten am alten System aufgefordert wurde. Wie die Revolutionäre, so versuchten auch ihre Gegner die Landbevölkerung mit Flugblättern politisch zu beeinflussen. Im offensichtlich revolutionsfeindlichen Klima Bodenheims scheint dies auch gelungen zu sein.

Ein überliefertes Flugblatt aus dieser Zeit nachstehend:

"Deutscher Biedermann, geh nach Mainz, nach Worms, nach Speyer: welche Berge von Undankbarkeit wirst du da aufgehäuft fidnen. Beamte, die die Pflicht ihres Amtes vergessen haben, Professoren, die sich eine Ehre daraus machen, über denjenigen der ihnen Brot gab, der sie aus dem Nichts emporhob, der ihre kotige Existenz in bedeutsame Wichtigkeit verwandelte zu schimpfen; Bürger die ihre Deutschheit abgeworfen und Verräter des Vaterlandes geworden sind. O welche Berge von Undankbarkeiten!"

Quellennachweis:
- Geschichte Bodenheims in der französischen Zeit 1792-1814 von Gunter Mahlerwein, 1250 Jahre Albansgemeinde Bodenheim -Beiträge zur Vergangenheit und Gegenwart - Im Auftrag der Ortsgemeinde Bodenheim, herausgegeben von Bernhard Marschall, Verlag der rheinhessischen Druckwerkstätte Alzey


Wer oder was waren die Udschebebbes?

Der Begriff "Udschebebbes" oder auch "Utschebebbes" ist schon ein sehr altes Schimpfwort. Nach unseren Recherchen gab es das Wort wohl schon zu den Pfälzischen Erbfolgekriegen.

Wie wurde das Schimpfwort bekannt?
Bekannt wurde das Schimpfwort in Rheinhessen und der Pfalz für französische Soldaten marokkanischer Herkunft zur Zeit der französischen Besatzung nach dem 1. Weltkrieg. Der Begriff ist herabsetzend für Personen mit afrikanischer Herkunft benutzt worden, später wurde er auch generell für französische Soldaten benutzt.
Leider ist nicht mehr ganz zu klären, wie der Begriff bzw. wie das Schimpfwort entstand.

Mögliche Worterklärungen:

1. Durch die dunkle Hautfarbe waren die französischen Soldaten marokkanischer Herkunft für die Mainzer Kinder eine Attraktion. Durch die aufdringliche Art der Kinder haben die Soldaten zu den Kindern auf französisch-afrikanisch "Haut ab, geht weg" gerufen, was sich dann so angehört haben soll wie "Udschebebbes".

2. Viele der in Mainz stationierten Afrikaner sollen aus einer Garnisonsstadt / Meldestelle aus Oudjidda und Sibi bel Abbes (Afrika) gekommen sein, was so ähnlich klingt wie "Udschebebbes".

3. Eine weitere Erklärung könnte in der Zusammensetzung des Wortes liegen. Utschebebbes ist zusammengesetzt aus "utschen" (hotschen / hutschen - altes dt. Wort für schaukeln, wiegen, am Boden kriechen, am Boden rutschen, im Schoß der Mutter Schutz suchen) und dem Wortteil "bebbes" was entweder für Baby (franz. bébé) oder für Penis (männliche Person) steht. Also im besten Fall "Mamakind".

Weitere Schimpfwörter uff Roihessisch? Die gibts hier!

Quellennachweis:
www.duden.de
www.heinrich-tischner.de
www.mundmische.de


 
 
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