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Hexenjagd in Europa

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Einen Gesamtüberblick...
...über die zweite große Welle der Hexenverfolgung wollen wir Ihnen hier geben. Diese Welle endete mit dem 30-jährigen Krieg. Die Prozesse wurden hauptsächlich von weltlichen Gerichten durchgeführt. Diese zweite Welle forderte insgesamt 60 000 Menschen in Europa das Leben, wovon jede zweite Hexe auf deutschem Boden verbrannt wurde. Diese Seite wird nach und nach aufgebaut. Schauen Sie doch immer mal vorbei!


Definition: „Hexe“
Der Begriff Hexe ist ein Sammelbegriff, der zum Teil auf altem volksmäßigen Zauber- und Gespensterglauben beruht, in seiner besonderen Bedeutung als Grundlage der Hexenverfolgungen und –prozesse, durch die Theologie der Kirche entwickelt wurde….
…Der neue Begriff war um 1480 fertig (Hexenhammer). In ihm sind viererlei Vorstellungen verbunden:
1. Pakt und Buhlschaft mit dem Teufel
2. Ketzerei d. h. Kult fremder Gottheiten
3. Schadenzauber
4. Flug durch die Luft und Tierverwandlung

Die erste Gruppe (1 & 2) entstammt im wesentlichen der kirchlichen Theologie, die zweite Gruppe (3 & 4) dem Volksglauben verschiedener Völker.

Quellennachweis:
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens
Hrsg. Hanns Bächtold-Stäubli & Eduard Hoffmann-Krayer
Band 3 , Verlag: Walter de Gruyter
Veröffentlicht: Jahr 2000


Woran man erkennt, dass eine Hexe, eine Hexe ist!

Einige Beispiele zeigen wir Ihnen ja schon in unserem vorliegenden Stück. Hier wollen wir Ihnen noch ein paar Beispiele aufführen:

- Nach 11 Uhr abends darf man nicht mehr in den Spiegel sehen, sonst erblickt man eine Hexe. Man entdeckt sie mit Hilfe eines Zauberspiegels.
- Hexen die durch Verletzungen blutrünstig sind, können nicht schaden. Zapfst du der Hexe auch nur ein wenig Blut ab, wird sie dich nicht mehr behexen können.
- Wenn du mit einer Hexe schläfst, kann sie dich nicht mehr behexen.
- Von einer Hexe soll man sich nicht küssen lassen.
- Dinge, die von Hexen herrühren, müssen verbrannt werden, am besten auf Kreuzwegen.
- Hexen haben Gewalt über die, die sich morgens nicht die Hände gewaschen haben.

Quellennachweis:
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens
Hrsg. Hanns Bächtold-Stäubli & Eduard Hoffmann-Krayer
Band 3 , Verlag: Walter de Gruyter
Veröffentlicht: Jahr 2000


Definition „Teufelspakt“
Unsere Witwe Merg Schollin soll nach diversen Zeugenaussagen auf der Hechtsheimer Hohl oder in der Leidhecke mit dem Teufel ein Pakt geschlossen haben. Aber was kann man sich darunter vorstellen?

Während des 13. Jahrhunderts  erfuhr die Macht des Teufels in der Auffassung der Theologen eine erhebliche Erweiterung.  Er hatte nicht mehr nur über schlechte, sondern auch über gute Menschen Gewalt. Die Scholastik fand eine fertige Vorstellung von einem förmlichen Pakt mit dem Teufel vor. Verträge mit der Welt der Geister kannte schon das römische Altertum. An einem Pakt mit dem Satan glaubt auch die Bibel. Die älteste christliche Legende über dieses Thema zeigt, wie man sich einen derartigen Vertrag dachte. Christus und die Taufe müssen verleugnet werden, man muss sich für immer zum Teufel bekennen. Kann man den (später oft mit Blut) geschriebenen Vertrag wieder erlangen und vernichten, so entkommt man der Gewalt des Teufels.

Seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts galt es für sicher, dass die Zauberer im allgemeinen einen Vertrag mit dem Teufel geschlossen hatten, was ihren Abfall von der Kirche bedeutete. Nach der älteren Vorstellung verhandelt Mensch und Teufel als zwei gleichberechtigte Vertragsschließende, später erscheint der Mensch in tiefer Unterwürfigkeit und verehrt den Teufel. Der Vertrag war nach Caesarius zwischen Haut und Fleisch unter der Achsel eingenäht und schützte die Betreffenden. Der Bund wurde bisweilen so geschlossen, dass man sein Blut in ein Feuer laufen ließ, in dem Totenknochen brennen.

Quellennachweis:
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens
Hrsg. Hanns Bächtold-Stäubli & Eduard Hoffmann-Krayer
Band 3 , Verlag: Walter de Gruyter
Veröffentlicht: Jahr 2000



Friedrich von Spee
Friedrich Spee wurde 1591 in Kaiserswerth bei Düsseldorf als Sohn eines hohen kurkölnischen Beamten geboren. Seine Eltern waren  Peter Spee († vor 1612) und Mechtel (Mechtild) geborene Nunum genannt Dücker (* um 1565) aus Altenkriegenbeek. Er hatte wohl zwei Schwestern und zwei Brüder.

Er genoss eine gute Erziehung und trat 1610 gegen den Willen seiner Eltern mit 19 Jahren in Trier in den Jesuitenorden ein. Da in Trier die Pest ausbrach, wechselte er nach Fulda und legte dort 1612 das erste Gelübde ab. Nach seiner dreijährigen Zeit im Noviziat absolvierte er 1612–1615 das vorgesehene Philosophiestudium in Würzburg. Seinen Wunsch, als Missionar nach Indien zu gehen, lehnte der Orden 1617 ab.

Nach Abschluss des Theologiestudiums in Mainz 1619–1623 erhielt Friedrich am 28. März 1623 die Priesterweihe im Mainzer Dom. Nach seinem Studienabschluss arbeitete er 1623–1626 als Dozent an der Jesuiten-Universität in Paderborn und absolvierte in Speyer (1626/27) das Tertiat, das dritte Probejahr des Ordens.

Ab Herbst 1627 lehrte Spee an den Kollegs in Wesel und Köln und entwarf für die Seelsorge der Kölner Devotessen (fromme Frauen) geistliche Texte, die später als Das Güldene Tugendbuch veröffentlicht wurden.

Im Oktober 1628 bekam er den Auftrag, in Peine die Rekatholisierung durchzusetzen. Die Peiner Bürger wurden vor die Wahl gestellt, die Stadt zu verlassen oder den katholischen Glauben anzunehmen. Es wird vermutet, dass dies der Anlass für den Angriff auf Friedrich Spee im Jahre 1629 war, bei dem er schwer verletzt wurde.


Nachdem Friedrich sich von seinen Verletzungen erholt hatte, erhielt er 1629 eine Professur für Moraltheologie in Paderborn, die ihm aufgrund starker Widerstände im Orden gegen seine Lehrinhalte bereits 1630 wieder entzogen wurde.
1633, zwei Jahre nach Veröffentlichung der Cautio criminalis, versetzte ihn der Orden als Professor für Kasuistik und Beichtvater der Gefängnisse und Krankenhäuser nach Trier. Dort vollendete Spee die vermutlich bereits zehn Jahre früher begonnene „Trutznachtigall“, eine Sammlung mit kunstvollen lyrischen Gedichten und heute noch bekannten Kirchenliedern.
Bei der Betreuung und Pflege von verwundeten und pestkranken Soldaten in Trier steckte er sich an und starb am 7. August 1635 im Alter von 44 Jahren. Sein Leichnam liegt in einer nach ihm benannten Gruft unter der Trierer Jesuitenkirche am Trierer Priesterseminar, dem ehemaligen Jesuitenkolleg, begraben.

Kritik an Folter und Hexenwahn

Spee veröffentlichte im Mai 1631 Cautio Criminalis, eine Schrift, die im katholischen Bereich erste Einwendungen gegen Folter und Hexenglauben vortrug. Ein Titel wie „Gegen den Hexenwahn“ hätte gegen die allgemeine Überzeugung verstoßen. Schon die Bezeichnung cautio – Vorsicht konnte den Verfasser (sowie Drucker und Verleger) in Verdacht bringen, Hexen in Schutz zu nehmen und so die Partei des Satans zu stärken. Darum konnte Spee seine Schrift nur anonym erscheinen lassen.
Nach neueren Forschungen ist es nicht sicher, ob Spee als Beichtvater der „Hexerei“ angeklagte Frauen betreute oder zum Scheiterhaufen begleitete. Gewiss aber hat er während seines Aufenthalts in Zentren der Hexenverfolgung (Köln, Trier, Würzburg, Mainz, Speyer und Paderborn) Hexenprozesse beobachtet. Entgegen der damaligen Rechtsauffassung gab er als Erster zu bedenken, dass Folter möglicherweise nicht der Wahrheitsfindung diene. Daraus leitete er die damals kühne Vermutung her, die verdächtigten Frauen seien unschuldig, obwohl sie unter Folter ihre Schuld gestanden hatten. Innerhalb der Gesellschaft Jesu konnte seine Autorschaft an der gefährlichen Schrift nicht verheimlicht werden, und zeitweise drohte ihm die Entlassung aus dem Orden. Neuere Forschungsergebnisse lassen jedoch darauf schließen, dass die zweite Auflage der Cautio Criminalis (1632) mit Billigung der Provinzialleitung der Jesuiten erschienen ist.

Der Lyriker

Spee erweist sich darin als poeta doctus, der formal an die antike Schäferlyrik anknüpft, deren heidnische Bildsprache jedoch in den motivischen Zusammenhang einer theologisch bzw. christologisch akzentuierten, geistlichen Passionslyrik überführt. Spee gilt seit seiner Wiederentdeckung während der deutschen Romantik als der bedeutendste katholische Dichter des deutschen Barock. Seine Bildsprache und die dem modernen Leser fremde Tradition der Schäferdichtung können den Zugang heute jedoch erschweren.

Neben der Trutznachtigall hat Friedrich Spee auch eine große Zahl von Kirchenliedern verfasst, die allerdings alle anonym erschienen sind. Einige dieser Lieder erfreuen sich bis heute großer Beliebtheit und finden sich in den modernen Gesangbüchern der beiden großen Konfessionen. Im katholischen Gebet- und Gesangbuch Gotteslob von 1975 bzw. 2013 finden sich das Adventslied „O Heiland, reiß die Himmel auf“, das Weihnachtslied „Zu Bethlehem geboren“, das Passionslied O Traurigkeit, o Herzeleid, die Heiligenlieder Ihr Freunde Gottes allzugleich und Unüberwindlich starker Held (nur Gotteslob 1975), das Marienlied Lasst uns erfreuen herzlich sehr sowie das Osterlied Die ganze Welt, Herr Jesu Christ.

Das Adventslied „O Heiland, reiß die Himmel auf“ wurde wohl im Eindruck des Hexenwahns und der Klimakatastrophe (Kleine Eiszeit) getextet.

O Heiland, reiß die Himmel auf,
Herab, herab, vom Himmel lauf!
Reiß ab vom Himmel Tor und Tür,
Reiß ab, wo Schloss und Riegel für!

O Gott, ein’ Tau vom Himmel gieß;
Im Tau herab, o Heiland, fließ.
Ihr Wolken, brecht und regnet aus
Den König über Jakobs Haus.

O Erd’, schlag aus, schlag aus, o Erd’,
Dass Berg und Tal grün alles werd’
O Erd’, herfür dies Blümlein bring,
O Heiland, aus der Erden spring.

Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt,
Darauf sie all’ ihr’ Hoffnung stellt?
O komm, ach komm vom höchsten Saal,
Komm tröst uns hier im Jammertal.

O klare Sonn’, du schöner Stern,
Dich wollten wir anschauen gern.
O Sonn’, geh auf, ohn’ deinen Schein
In Finsternis wir alle sein.


Quellennachweis:
http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Spee



Die kleine Eiszeit - eine Klimakatastrophe zur Hexenverfoglung
Die kleine Eiszeit war eine Periode relativ kühlen Klimas von Anfang des 15. bis in das 19. Jahrhundert hinein. Sie gilt in der heutigen Klimadiskussion als das klassische Beispiel einer durch kurzfristige Schwankungen gepräten natürlichen Klimavariationn. Auch während der Kleinen Eiszeit gab es erhebliche Klimaschwankungen; zum Beispiel waren die Zeiträume von 1570 bis 1630 (1612 der Bodenheimer Fall der Merg Schollin) und von 1675 bis 1715 besonders kalte Zeitabschnitte in Europa.

Ursachen:
Als Ursachen für die Kleine Eiszeit gelten hauptsächlich eine geringere Aktivität der Sonne, sowie verstärkter Vulkanismus. Für Wiederbewaldung, die durch Bevölkerungsrückgang oder durch regionale Klimaänderungen hervorgerufen worden sein könnte, sowie veränderte Meeresströmungen wird eine verstärkende Rolle vermutet.

Folgen für die Menschen:

Die kleine Eiszeit war eine der Auslöser für die spätmittelalterliche Agrarkrise: Durch tiefe und langen Winter waren die Vegetationsperioden reduziert. Die Sommer waren nasskalt, so dass etwa Weizein auf den Halmen verfaulte. Die Nahrungsmittel-Produktion ging zurück, und es kam zu  Hungersnöten. Wolfgang Behriinger wies auf die in dieser Zeit gehäuft auftretenden Agrarkrisen hin, die zu Teuerungen, Mangelernährung und Seuchen führten, was letztlich soziale Spannungen in der Bevölkerung verschärfte.

Für die Missernten curde immer wieder gesellschaftliche Minderheiten und Randgrupen verantwortlich gemacht. In den sinkenden Erträgen sah man oft eine Folge von schwarzer Magie. In die Zeit der Kleinen Eiszeit fallen sowohl die frühneuzeitlichen Hexenverfolgungen in Mitteleuropa, als auch die gehäufte Verfolgung von sozialen Minderheiten (insbesondere der Juden und kleinerer christlicher Glaubensgemenschaften wie der Täufer). In vielen Hexenprozessen wurden den Angeklagten u. a. Schadenszauber am Wetter vorgeworfen (z. B.  Frost in Weinbaugebieten, Hagel usw.)

Quellennachweis:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kleine_Eiszeit

Bäckerhandwerk und die Klimakatastrophe

Durch die schon beschriebene kleine Eiszeit und die damit verbundenen Ernteausfälle wurde das Getreide sehr teuer. Teilweise wurde das Getreide in manchen Gegenden in sehr schlechten Jahren mit Gold aufgewogen. So werden die Beimengen im Brot gefährlich. Das Brot der armen Leute wird mit Schlafmohn, Bilsenkraut und Tollkorn gestreckt. Es enthält Substanzen, die dem heutigen LSD ähnlich sind. Zusätzlich werden Drogen bewußt eingenommen um der trostlosen Gegenwart zu entrinnen. Giftige Kräuter verstärken die betäubende Wirkung des Weins. Manche Menschen entfliehen in dieser Zeit damit aus ihrer trostlosen Realität in eine Traumzeit.*

Es lässt sich heute nur darüber spekulieren, ob die Beimengen in Thomas Plumenscheins Brot eine gefährliche Konzentration hatte, die zum Tod des Jungen führte. Von all diesem wusste die Bevölkerung damals nicht viel, es war klar - der Hexe Merg Schollin musste der Prozess gemacht werden und zwar schnell. Im Ort griff die Angst um sich.

*Quellennachweis
Hexen: Magie, Mythen und die Wahrheit
Hrsg. Rainer Decker
1. Auflg., März 2004
Verlag Primus


 
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