Hexenjagd in Bodenheim - theatour-bodenheim

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Hexenjagd in Bodenheim

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Die historischen Quellen des Theaterstückes
Hier werden Sie nach und nach viele historische und regionale Quellen finden, auf die sich das Stück "Hexe! - De Deibel soll se hole!" behieht! Schaun sie einfach immer mal wieder rein!


Vom Gerichtsgebäude zum Rathaus...

Das heutige Ortsgemeinderathaus wurde 1608 als Sitz des Ober- und Dorfgerichtes durch den Probst des Ritterstiftes St. Alban zu Mainz, Anton Wallpot von Bassenheim errichtet und vermutlich im 18. Jahrhundert umgebaut. In der Fensterbrüstung des Erkers ist ein Esel dargestellt, der vom Albansgulden übernommen und später zum Ortswappen wurde. Auf den Langseiten ordnen sich Andreaskreuze an. Ein Neidkopf mit herausgestreckter Zunge, dem eine unheilabwehrende Funktion zugesprochen wurde, findet sich an der Nordwand. Während das Erdgeschoss in zeitgemße Verwaltungsräume umgewandelt wurde, kann im Obergeschoss noch der Ratsaal mit Balkendecke und feinen Stuckarbeiten bewundert werden.

Quelle:
1250 Jahre Albansgemeinde Bodenheim
Hrsg. Bernhard Marschall
Verlag der rheinhessischen Druckwerkstätte Alzey

Der Wahrsager von Bretzenheim?
Der Wahrsager von Bretzenheim wurde mit Sicherheit nicht im Prozess der Merg Schollin angehört, dass aber sein Rat dennoch eine wichtige Rolle spielte und er immer wieder zu Hexenprozessen angefragt wurde, zeigt nachstehende historische Quelle:

In dem Artikel "Ein politischer Hexenprozeß in Bodenheim" von Anton Ph. Brück zitiert dieser folgende Stelle aus dem Heimatarchiv:

"Jacob Sentz der jung sagt ausdrücklich, er wollte daruff sterben, Leonhard Kellers fraw Margaretha seye seiner schwachheit ein ursach, welche schwachheit er Jacob noch nicht ab, und bisweilen vermeint in seinem Hirn wanwitzig zu werden, dass auch noch mehr sey, so habs ihm der wahrsager von Bretzenheim gesagt, dass obgenannte fraw ihme solches bereitet habe, dass sie isst ihme Jacobsen missgünstig gewesen."

Auch wenn dieser Abschnitt aus einem anderen Bodenheimer Hexenprozess stammt, zeigt er dennoch, dass die damaligen Menschen einem Wahrsager aus Bretzenheim vertrauten.

Foltermethode Beinschraube

Nach Meinung der Kurpfalz waren die Bodenheimer Hexenprozesse eindeutige Rechtsbrüche, die durch die ungeheure Grausamkeit noch verschlimmert, mit der die Prozesse geführt wurden.

„Die Folter würde gegen diejenigen, die nicht freiwillig gestehen wollten, im Unmaß eingesetzt. Die Angeklagten würden >>so jämerlich torquirt, auch mit anlegung der beinschrauben, dermaßen gemartert, dass es einen stein erbarmen mögen<<. Schließlich legten die unschuldig Angeklagten ihr Geständnis nur ab, weil sie lieber sterben wollten, als erneut auf so grausame Weise gefoldert zu werden:

>>Inmassen dann viel hingerichte Persohnen offentlich sollen bekandt undt geklaget haben, daß sie einzig undt allein durch große marter und pein, ihre bekantnuß hetten thun müssen, undt ob sie sich schon der thaten unschuldig wüßten, jedoch zehenmahl lieber sterben, alß solche Marter ferner außstehen woltten.<<

Ein spanischer Stiefel, Schraubstiefel oder Beinschraube ist ein spätmittelalterlich-frühneuzeitliches Folterinstrument, das bei der peinlichen Befragung eingesetzt wurde. Es diente dazu, Geständnisse zu erpressen und gehörte somit zu den gebräuchlichen Mitteln der sogenannten Wahrheitsfindung.

Der spanische Stiefel bestand oft aus zwei Eisenplatten, die dem Unterschenkel angepasst waren. Diese wurden um das Schienbein und die Wade gelegt und dann zusammengedreht – manche Versionen spannten lediglich den Fuß ein. Bei einfacheren Versionen wurde ein Holzklotz verwendet, der mit Eisenschienen beschlagen war, um so an den Gewindestäben geführt zu werden. Um die Schmerzen zu erhöhen, wurden zusätzlich Holzkeile mit unterschiedlicher Länge und Dicke zwischen die Bretter geschlagen. In den spanischen Stiefel wurde der Fuß oder der gesamte Unterschenkel einzeln eingespannt, während immer wieder heißes Pech hineingegossen wurde. Häufig traten dabei Knochenbrüche und Quetschungen auf. Das Instrument wurde zuerst in Spanien angewendet, war seit dem 16. Jahrhundert aber beinahe in ganz Europa verbreitet. Der spanische Stiefel war bei den Inquisitions- und Hexenprozessen von eher untergeordneter Bedeutung. Er diente dort wohl fast ausschließlich der Territion.

Bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts war der spanische Stiefel in Europa noch in Verwendung. Preußen war der erste Staat, der diese Foltermethode abschaffte.

Quellennachweis:
Glaube und Skepsis von Jürgen Michael Schmidt
Die Kurpfalz und die abendländische Hexenverfolgung 1446-1685
Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2000
Quelle: www.wikipedia.de (Stand: 03.08.2014)



Die Hexe und der „Werzwisch“

Der Werzwisch ist ein Kräuterstrauch aus mindestens sieben verschiedenen Heilkräutern, die traditionell noch bis heute vor Mariä Himmelfahrt gesammelt und an Mariä Himmelfahrt gesegnet wird. Einer Legende nach wird in dem Zeitraum von Mitte August bis Mitte September die Erde von Maria gesegnet. Über Jahrhunderte hat die Kirche die heilenden Kräfte der Pflanzen beachtet und in den Klöstern zählten Kräutergärten zur festen Einrichtung.

In den meisten Familien wurde der Werzwisch unter dem Dach aufgehängt und sollte somit Krankheit und alles Böse von Haus und Hof fernhalten. Der Werzwisch besteht unter anderem aus: Baldrian, Beifuß, Frauenmantel, Arnika, Johanniskraut, Kamille, Liebstöckel, Pfefferminze, Raute, Rainfaarn, Marquerite, Schafgarbe, Wegwarte, Königskerze, Mariendistel, Blutweiderich, Odermennig, Ampfer und Mädesüß.

Was hat nun aber der Hexenglaube mit dem Werzwisch zu tun?

Die Hexen verbrennen in einem „normalen“ Feuer nicht, erst nach dem man geweihte Heilkräuter ins Feuer tut.*

Und so haben die Bodenheimer ihren Werzwisch ins Feuer des Scheiterhaufens geworfen, damit die Hexe auch stirbt!

*Quellennachweis:
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens
Hrsg. Hanns Bächtold-Stäubli & Eduard Hoffmann-Krayer
Band 3 , Verlag: Walter de Gruyter
Veröffentlicht: Jahr 2000


 
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